Die Kunst,
weniger zu arbeiten Zehn Argumente gegen den Arbeitswahn
1 Der menschliche Erfindergeist zeigt Wirkung:
durch den Produktivitätsfortschritt nimmt der Bedarf an menschlicher
Arbeit kontinuierlich ab. In absehbarer Zukunft wird die Wirtschaft mit einem
Bruchteil der derzeit benötigten Arbeitskraft auskommen.
2 Die einseitige Fixierung unserer Kultur auf
Erwerbsarbeit und ihre Überhöhung zum Lebenssinn ist deshalb
anachronistisch. In 100 Jahren wird die heutige Arbeitsmoral den Menschen so
lächerlich erscheinen wie uns heute die Sexualmoral des 19. Jahrhunderts
erscheint. 3 Wir brauchen kein
»Bündnis für Arbeit« sondern ein Bündnis für
weniger Arbeit. So wie sich das Drogenproblem nicht durch die Beschaffung von
noch mehr Drogen lösen läßt, liegt auch die Lösung des
»Arbeitslosenproblems« nicht darin, mehr Arbeit zu schaffen,
sondern uns von der Arbeit zu entwöhnen.
4 Beschäftigung ist kein Wert an sich. Am
erfolgreichsten bei der Schaffung von Arbeit waren Hitler und Stalin. Wer mehr
Beschäftigung verspricht, muss auch den Preis dafür nennen: die
Wiederauferstehung der Dienstbotengesellschaft und die Zunahme von Armut und
sozialer Ausgrenzung. 5 Arbeit ist nicht der
»Beruf« des Menschen. Das freudlose Erbe des Puritanismus beraubt
uns der Weite und Intensität des Lebens. Ein Arbeitsplatz ist in den
seltensten Fällen der beste Platz für die Entfaltung und
Selbstverwirklichung des Menschen. - Der ganz in seinem Beruf aufgegangene
»Vollprofi« ist kein Vorbild, sondern ein tragischer Fall.
6 Die Mehrheit unserer Jobs dient der Herstellung
überflüssiger, ja, schädlicher Produkte. Weniger Arbeit ist eine
Chance für die Umwelt und eine Gelegenheit, Sinn und Zweck unseres
Wirtschaftens neu zu bestimmen. 7 Erfolg im
Beruf kann zwar zeitweilig als Aufputschmittel wirken, ist aber langfristig
nicht in der Lage, die Löcher in unserem Leben zu stopfen. Erfolgreich
ist, wer sein menschliches Potenzial leben kann!
8 Der Mensch ist nicht auf der Welt, um
möglichst viel zu tun. Nichtstun ist nicht Faulheit, sondern gehört
zur Fülle des Lebens. Müßiggang öffnet uns Türen, an
denen wir sonst vielbeschäftigt vorbeirennen.
9 Auch Träume haben ein Verfallsdatum. Wer
meint, seine Lebensträume zugunsten des beruflichen Weiterkommens
aufschieben zu können, läuft Gefahr, sie für immer zu verlieren.
10 Time is Honey. Wann leben wir, wenn nicht
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